KATI BRUDER

 

WIR ANDEREN

 

06.03. bis 03.04. 2020

Eröffnung Donnerstag, 05.03.2020, 18 Uhr 30

 

„AM LIEBSTEN IST MIR, WENN ALLE RICHTIG VERTEILT WERDEN, DIE IRREN IN DIE IRRENANSTALT, DIE MÖRDER INS ZUCHTHAUS, UND WIR ANDEREN SIND ZU HAUSE, DAMIT WIR UNS DAS GANZE IM FAUTEUIL BEI EINEM TÄSSCHEN KAFFEE ANSEHEN.“

Beltempo, aus: Lettre International 02/2012

Inspiriert von Beltempos Text begann ich Gemeinschaften zu besuchen, immer auf der Spur nach den sozialen Verbindungen in Zusammenhang mit Räumen. Das WIR einer Gemeinschaft ist eine soziale Skulptur, der man angehört, die zugleich aber auch auf die ANDEREN blickt. Wir sind immer beides: sowohl Subjekt als auch Objekt. Einmal sind wir WIR und das andere Mal die ANDEREN. Ich fotografiere Menschen, die durch räumliche Umstände von außen als Gruppe wahrgenommen werden. Dabei treffe ich sowohl Schicksalsgemeinschaften als auch selbstorganisierte oder temporäre Gemeinschaften. Immer bitte ich die an einem speziellen Ort lebenden Menschen, mir ihre Eingangstüre zu öffnen und sich im Vorraum zu positionieren. WIR ANDEREN ist ein Projekt über Wahrnehmung und Bildung von Gemeinschaften in unserer Gesellschaft, dem Entstehen eines Wir-Gefühls, über Zusammenhalt, Ausgrenzung, Einsamkeit, räumliche Nähe und Isolation, Sichtbarkeit sowie Repräsentation. Ich untersuche die Verbindungen zwischen dem Blick auf verschiedene Gemeinschaften, deren Räumlichkeit und Verbundenheit. Dabei spielt auch die Reflexion des Blicks und der Vorgang des Sehens als kulturell geprägter Prozess eine große Rolle. Folgenden Fragen gehe ich nach: Wann entwickelt sich durch räumliche Nähe ein Gemeinschaftsgefühl? Wird dieses Gefühl der Verbundenheit durch eine äußere Bedrohung erhöht? Was benötigen Gemeinschaften, um ein WIR-Gefühl etablieren zu können??

Kati Bruder